Direktvertrieb über die eigene Website ist die einfachste Form des Subscription-Vertriebs: Ein Anbieter, ein Produkt, ein Preis, ein Kunde. Sobald jedoch Reseller, Systemhäuser, Distributoren oder OEM-Partner ins Spiel kommen, entsteht eine mehrstufige Vertriebsstruktur, die die Abrechnungslogik fundamental verändert. Wer profitiert in welcher Reihenfolge? Wer stellt wem eine Rechnung? Wer ist für den Endkunden verantwortlich – und wer darf seine Daten sehen? Diese Fragen müssen nicht nur vertraglich, sondern auch systemseitig präzise beantwortet sein.
Die drei gängigen Partnermodelle und ihre Abrechnungslogik
Im Softwarevertrieb über Partner lassen sich drei grundlegende Modelle unterscheiden, die sich in ihrer Abrechnungsstruktur erheblich unterscheiden.
Beim Referral-Modell vermittelt der Partner lediglich den Kontakt zum Endkunden, schließt aber keinen eigenen Vertrag ab. Der Endkunde kauft direkt beim Hersteller, der Partner erhält eine einmalige oder wiederkehrende Provision. Dieses Modell ist abrechnungstechnisch am einfachsten und wurde bereits im Kontext der Provisionsabrechnung in einem früheren Beitrag behandelt.
Beim Reseller-Modell kauft der Partner das Produkt zu einem Händlereinkaufspreis ein und verkauft es zu einem selbst definierten Endkundenpreis weiter. Der Hersteller stellt dem Reseller eine Rechnung, der Reseller stellt dem Endkunden eine eigene Rechnung aus. Der Hersteller hat in diesem Modell typischerweise keine direkte Vertragsbeziehung mit dem Endkunden – und oft auch keine vollständige Transparenz über dessen Daten. Für das Subscription-Management bedeutet das: zwei parallele Vertragsverhältnisse, die synchron gehalten werden müssen.
Beim OEM-Modell integriert der Partner das Produkt in sein eigenes Angebot – häufig unter eigenem Markennamen (White Label) – und tritt nach außen als alleiniger Anbieter auf. Der Endkunde weiß möglicherweise nicht, dass er im Hintergrund die Technologie eines anderen Anbieters nutzt. Das OEM-Modell stellt die höchsten Anforderungen an Datentrennung, Mandantenfähigkeit und die Flexibilität des Abrechnungssystems.
Preisebenen und Margen-Handling
Im mehrstufigen Vertrieb gibt es typischerweise mindestens zwei Preisebenen: den Hersteller-zu-Partner-Preis (Einkaufspreis) und den Partner-zu-Endkunde-Preis (Verkaufspreis). Die Differenz ist die Marge des Partners. Das Abrechnungssystem des Herstellers muss diese Preisstruktur abbilden können – also für denselben Tarif unterschiedliche Preise je nach Vertriebskanal und Partner hinterlegen.
Besonders komplex wird es bei Volumen-gestaffelten Partnerrabatten: Je mehr Endkunden ein Reseller vermittelt oder betreut, desto günstiger ist sein Einkaufspreis. Diese Staffelung muss automatisch angewendet werden, wenn ein Partner eine bestimmte Schwelle überschreitet – ohne dass manuell eingegriffen werden muss. Das setzt eine Preisregel-Engine voraus, die Volumen, Partnerkategorie und Tarifversion in Echtzeit korrekt kombiniert.
Mandantenfähigkeit: Wenn Partner eigene Kundenstämme verwalten
Im Reseller- und OEM-Kontext stellt sich häufig die Frage der Mandantenfähigkeit: Soll der Reseller in der Lage sein, seine eigenen Endkunden direkt im System des Herstellers zu verwalten – Verträge anzulegen, Rechnungen einzusehen, Tarifwechsel durchzuführen? Oder soll er nur aggregierte Informationen über seinen eigenen Bestand erhalten?
Beides ist möglich – aber mit unterschiedlichen datenschutzrechtlichen und technischen Anforderungen. Wenn ein Reseller direkten Zugriff auf Endkundendaten hat, muss das im Auftragsverarbeitungsvertrag und in der Datenschutzerklärung klar geregelt sein. Gleichzeitig muss das System sicherstellen, dass ein Reseller ausschließlich die Daten seiner eigenen Endkunden sieht – vollständige Datentrennung zwischen verschiedenen Partnern ist Pflicht.
Eine leistungsfähige Rollen- und Rechteverwaltung ist deshalb im Partnervertrieb keine optionale Komfortfunktion, sondern eine Grundvoraussetzung. Sie definiert, was ein Partner sehen und tun darf – und trennt seinen Blickwinkel sauber von dem anderer Partner und vom internen Team des Herstellers.
Abrechnungsflüsse im Überblick behalten
Im mehrstufigen Vertrieb entstehen parallel laufende Abrechnungsflüsse, die synchron gehalten werden müssen: Der Hersteller rechnet mit dem Reseller ab, der Reseller rechnet mit dem Endkunden ab. Wenn ein Endkunde kündigt, muss das zeitnah beim Reseller ankommen – damit dieser nicht weiterhin für einen inaktiven Kunden zahlt. Wenn ein Reseller seinen Vertrag mit dem Hersteller beendet, muss definiert sein, was mit den bestehenden Endkundenverträgen passiert: Werden sie direkt übernommen? Werden sie beendet? Werden sie auf einen anderen Partner übertragen?
Diese Szenarien erfordern klare vertragliche Regelungen und ein System, das die entsprechenden Zustandsänderungen automatisch und revisionssicher protokolliert. Die REST-API von Fakturia und das Webhook-System ermöglichen dabei die enge Kopplung zwischen dem Abrechnungssystem des Herstellers und etwaigen Partnersystemen – sodass Statusänderungen in Echtzeit propagiert werden und keine manuelle Synchronisation erforderlich ist.