Rechnungssoftware-Vergleich für die AG

sevDesk, Lexware Office und Fakturia im Vergleich für die AG – inklusive der ausnahmslosen Pflichtprüfung nach § 316 HGB und der komplexen Rollenverteilung zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung.

Die einzige Rechtsform ohne größenabhängige Prüfungsbefreiung

Anders als bei der GmbH, bei der die Pflicht zur externen Abschlussprüfung von Größenschwellen abhängt und kleinere Gesellschaften davon befreit sein können, unterliegt jede AG nach § 316 Abs. 1 HGB grundsätzlich immer der Pflichtprüfung – unabhängig von Bilanzsumme, Umsatz oder Mitarbeiterzahl. Selbst eine kleine, von nur einer Person gegründete Ein-Personen-AG muss ihren Jahresabschluss von einem Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Von den in dieser Serie behandelten Rechtsformen ist die AG damit diejenige mit den durchgehend striktesten Anforderungen an eine lückenlose, prüfungsfähige Buchführung.

Drei Organe, drei unterschiedliche Zugriffsbedürfnisse

Die AG ist nach dem Aktiengesetz in drei Organe gegliedert: den Vorstand, der das operative Geschäft führt, den Aufsichtsrat, der den Vorstand kontrolliert und den Prüfungsauftrag erteilt, sowie die Hauptversammlung der Aktionäre, die den Wirtschaftsprüfer wählt und über den festgestellten Jahresabschluss entscheidet. Für die Rechnungssoftware ergibt sich daraus die komplexeste Anforderung an Rollen- und Rechteverwaltung in dieser gesamten Vergleichsserie: Der Vorstand benötigt vollen operativen Zugriff, der Aufsichtsrat eine verlässliche Berichtsansicht zur Kontrolle, und Aktionäre im Rahmen der Hauptversammlung lediglich Einblick in die testierten Abschlusszahlen.

Vergleich gängiger Rechnungsprogramme für die AG

AnbieterEinstiegspreisPrüfungsfähige DokumentationBesonderheit
sevDesk Buchhaltungab ca. 17,90 €/MonatEingeschränkt für AG-Anforderungen geeignetEÜR und USt-VA, primär auf kleinere Unternehmen ausgelegt
Lexware Officeab ca. 7,90 €/MonatEingeschränkt für AG-Anforderungen geeignetOptionale Lohnabrechnung
Fakturia FLEX Onekeine GrundgebührDATEV-Buchungsdatenservice inklusiveKein Fixkostenrisiko in der Gründungsphase
Fakturia Professional139,00 €/MonatDATEV-Buchungsdatenservice mit Belegbildern500 Verträge inklusive, Rollen- und Rechteverwaltung für mehrere Organe

Alle genannten Preise verstehen sich netto zuzüglich Umsatzsteuer und können sich beim jeweiligen Anbieter ändern – eine Prüfung der aktuellen Tarife vor der endgültigen Entscheidung ist empfehlenswert.

DATEV-Anbindung als Grundvoraussetzung für die Jahresabschlussprüfung

Da der Wirtschaftsprüfer bei jeder AG lückenlos nachvollziehbare Buchungen und Belege benötigt, um zum Bestätigungsvermerk zu gelangen, ist eine saubere, jederzeit exportierbare DATEV-Anbindung keine Option, sondern eine praktische Grundvoraussetzung. Rechnungssoftware ohne verlässliche Buchhaltungsschnittstelle erzeugt bei einer AG zwangsläufig zusätzlichen manuellen Aufwand bei der jährlichen Prüfungsvorbereitung.

Kostenvergleich nach Monatsumsatz

MonatsumsatzFakturia FLEX One (1,9 %)Fakturia Professional (fix)sevDesk Buchhaltung
7.316 €139,00 €139,00 €17,90 €
20.000 €380,00 €139,00 €17,90 €
50.000 €950,00 €139,00 €17,90 €

Angesichts des Mindestgrundkapitals von 50.000 Euro und der damit verbundenen höheren Gründungskosten ist eine AG in aller Regel auf ein deutlich höheres Geschäftsvolumen ausgelegt als die übrigen in dieser Serie behandelten Rechtsformen. Der Break-even zwischen FLEX One und dem Professional-Tarif bei rund 7.316 Euro Monatsumsatz wird deshalb bei den meisten Aktiengesellschaften bereits weit im Vorfeld überschritten sein.

Fakturia ist nicht nur für Abo-Geschäfte geeignet

Auch für eine AG ohne jedes Abo-Modell eignet sich Fakturia für die reguläre, einmalige Rechnungsstellung. Wer neben klassischen Einzelrechnungen zusätzlich wiederkehrende Vertragsverhältnisse abrechnet, kann beides in einem System bündeln – inklusive einer für Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung differenzierten Zugriffsverwaltung sowie der für die jährliche Pflichtprüfung notwendigen lückenlosen Dokumentation.

Häufige Fragen

Ja, nach § 316 Abs. 1 HGB gilt die Pflichtprüfung für jede AG unabhängig von ihrer Größe – anders als bei der GmbH gibt es hierfür keine größenabhängige Befreiung.
Weil die AG mit Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung drei Organe mit unterschiedlichen Zugriffsbedürfnissen hat – von vollem operativem Zugriff bis zu reinem Einblick in testierte Abschlusszahlen.
Die Hauptversammlung wählt den Abschlussprüfer, während der Aufsichtsrat den eigentlichen Prüfungsauftrag erteilt und zusätzliche Prüfungsschwerpunkte festlegen kann.
Nein, auch eine kleine AG mit geringer Bilanzsumme oder wenigen Mitarbeitern muss ihren Jahresabschluss zwingend prüfen lassen, da die Prüfungspflicht allein an die Rechtsform anknüpft, nicht an Größenschwellen.