ZUGFeRD

ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ist ein Hybridformat: eine normale PDF-Rechnung mit eingebettetem XML-Datensatz. Damit ist die Rechnung sowohl für Menschen als auch für Softwaresysteme lesbar.

ZUGFeRD ist ein deutsches Hybridformat für elektronische Rechnungen, das eine für Menschen lesbare PDF-Darstellung mit einem maschinenlesbaren, eingebetteten XML-Datensatz kombiniert. Der Name steht für „Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland" und verweist auf seinen Ursprung als gemeinsame Initiative deutscher Wirtschafts- und Verwaltungsverbände.

Der Grundgedanke: Ein Dokument für zwei Zielgruppen

Der zentrale Vorteil von ZUGFeRD liegt darin, dass ein und dieselbe Datei sowohl von Menschen als auch von Maschinen verarbeitet werden kann. Öffnet ein Empfänger die Datei in einem gewöhnlichen PDF-Betrachter, sieht er eine normale, lesbare Rechnung. Verfügt sein Buchhaltungssystem dagegen über eine entsprechende Schnittstelle, liest es stattdessen automatisch den im PDF eingebetteten XML-Datensatz aus und verarbeitet die Rechnungsdaten strukturiert weiter, ohne dass jemand Beträge oder Positionen manuell abtippen müsste.

Versionsgeschichte in Kürze

VersionWesentliche Neuerung
ZUGFeRD 1.0 (2014)Erste Version, national begrenzt
ZUGFeRD 2.0 (2019)Angleichung an die europäische Norm EN 16931
ZUGFeRD 2.1 / 2.2Kleinere Korrekturen und Klarstellungen
ZUGFeRD 2.3.x (aktuell)Erweiterte Felder, etwa für Leistungszeiträume auf Positionsebene

Mit Version 2.0 wurde ZUGFeRD inhaltlich deckungsgleich mit dem europäischen Standard Factur-X, wodurch beide Bezeichnungen seither weitgehend synonym für dasselbe technische Format verwendet werden.

Die verschiedenen ZUGFeRD-Profile

ZUGFeRD definiert mehrere Profile mit unterschiedlichem Funktionsumfang, von Minimum über Basic und Comfort bis zu Extended, sowie ein spezielles Profil, das den Anforderungen der XRechnung entspricht. Eine ausführliche Übersicht aller Profile mit ihren jeweiligen Einsatzbereichen findet sich auf unserer Themenseite zur E-Rechnung.

Vorteile gegenüber der klassischen Papierrechnung

Über die reine Digitalisierung hinaus bietet ZUGFeRD gegenüber einer eingescannten oder rein optisch übermittelten Rechnung einen entscheidenden Mehrwert: Der Empfänger muss keine Rechnungsdaten manuell in sein Buchhaltungssystem übertragen, wodurch Übertragungsfehler und der damit verbundene Zeitaufwand entfallen. Gerade bei hohem Rechnungsvolumen summiert sich diese Einsparung über viele einzelne Vorgänge hinweg zu einem spürbaren wirtschaftlichen Vorteil für beide Seiten der Geschäftsbeziehung.

Verbreitung in der Praxis

ZUGFeRD hat sich seit seiner Einführung insbesondere im deutschen Mittelstand als praktikables E-Rechnungsformat etabliert, da es keine grundlegende Umstellung der bisherigen Rechnungsgestaltung erfordert – die vertraute PDF-Optik bleibt für den menschlichen Betrachter vollständig erhalten. Diese geringe Einstiegshürde hat maßgeblich zur breiten Akzeptanz des Formats beigetragen, verglichen mit rein XML-basierten Alternativen ohne visuelle Komponente.

Abgrenzung zur XRechnung

Der wichtigste Unterschied zur XRechnung liegt im Aufbau: ZUGFeRD bettet die strukturierten Daten in ein normales PDF ein und bleibt dadurch auch ohne spezielle Software lesbar. XRechnung dagegen ist ein reines XML-Dokument ohne visuelle Komponente, das zwingend eine entsprechende Software zur Darstellung benötigt. Für den klassischen Rechnungsversand per E-Mail an Geschäftskunden eignet sich deshalb meist ZUGFeRD, während XRechnung vor allem im Behördenumfeld vorgeschrieben ist.

Rechtlicher Kontext: Freiwillig versus verpflichtend

Anders als die XRechnung, die für Rechnungen an viele öffentliche Auftraggeber verpflichtend vorgeschrieben ist, war ZUGFeRD lange Zeit ein rein freiwillig nutzbares Format im B2B-Bereich. Mit der schrittweisen Einführung der verpflichtenden E-Rechnung im B2B-Geschäft zwischen 2025 und 2028 gewinnt ZUGFeRD als praxistaugliches, weiterhin visuell lesbares Format zunehmend an Bedeutung, da es die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, ohne die gewohnte Lesbarkeit für den Rechnungsempfänger aufzugeben.

Technische Grundlage: PDF/A-3

Damit die XML-Datei zuverlässig in ein PDF eingebettet werden kann, nutzt ZUGFeRD den PDF/A-3-Standard, eine speziell für die Langzeitarchivierung konzipierte PDF-Variante, die das Einbetten beliebiger Dateianhänge erlaubt. Reguläre PDF-Dokumente ohne diesen Standard unterstützen das zuverlässige Einbetten strukturierter Daten in dieser Form nicht.

Praktische Erstellung im Subscription-Geschäft

Bei wiederkehrender Rechnungsstellung mit potenziell tausenden monatlichen Rechnungen ist eine manuelle ZUGFeRD-Erstellung praktisch ausgeschlossen. Automatisierte Abrechnungssysteme erzeugen das eingebettete XML parallel zur gewohnten PDF-Darstellung direkt bei der regulären Rechnungserstellung, ohne zusätzlichen manuellen Aufwand pro Rechnung. Gerade bei international tätigen Anbietern mit Kunden in verschiedenen Ländern erleichtert diese Automatisierung die konsistente Einhaltung unterschiedlicher lokaler E-Rechnungsanforderungen erheblich.

Fazit

ZUGFeRD verbindet die gewohnte Lesbarkeit einer PDF-Rechnung mit der maschinenlesbaren Struktur, die moderne Buchhaltungssysteme für automatisierte Verarbeitung benötigen. Seine Kompatibilität mit dem europäischen Factur-X-Standard und die wachsende gesetzliche Relevanz im B2B-Geschäft machen es zu einem der praktisch wichtigsten E-Rechnungsformate im deutschsprachigen Raum.

Häufige Fragen

Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland – benannt nach der Initiative, die das Format ursprünglich entwickelt hat.
Ja, da es sich um eine normale PDF-Datei mit eingebettetem XML handelt, lässt sie sich in jedem gewöhnlichen PDF-Betrachter lesen. Nur für die automatisierte Verarbeitung wird zusätzliche Software benötigt.
Seit Version 2.0 sind beide Formate inhaltlich deckungsgleich – ZUGFeRD ist die deutsche, Factur-X die entsprechende französische beziehungsweise europäische Bezeichnung.
Für den regulären B2B-Versand an Geschäftskunden per E-Mail eignet sich ZUGFeRD, da es auch ohne spezielle Software lesbar bleibt. XRechnung ist dagegen für Rechnungen an viele öffentliche Auftraggeber vorgeschrieben.
Der Empfänger muss keine Rechnungsdaten manuell übertragen, wodurch Übertragungsfehler und Zeitaufwand entfallen – ein Vorteil, der sich bei hohem Rechnungsvolumen deutlich summiert.

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