Digistore24 ist ein beliebter Marktplatz für digitale Produkte, doch Reseller-Marge, fremde Kundenbeziehung und fehlende Vertragsverwaltung bringen viele Anbieter zum Umdenken. Dieser Ratgeber vergleicht Alternativen aus Deutschland, erklärt die drei Grundmodelle und zeigt, welche Pflichten beim Wechsel auf Sie zukommen.
Was Digistore24 eigentlich ist
Digistore24 ist ein Marktplatz und Zahlungsabwickler der Digistore24 GmbH aus Hildesheim, auf dem vor allem digitale Produkte wie Online-Kurse, Software, Coachings und E-Books verkauft werden. Entscheidend ist das Reseller-Modell: Digistore24 tritt als Weiterverkäufer auf und ist damit rechtlicher Vertragspartner Ihrer Kunden. Sie verkaufen formal an Digistore24, nicht direkt an den Endkunden. Die Plattform übernimmt Zahlungsabwicklung, Rechnungsstellung, Widerrufsabwicklung und die länderabhängige Umsatzsteuer. Dazu kommt ein Affiliate-Netzwerk, über das Partner Ihre Produkte gegen Provision bewerben.
Dafür zahlen Sie keine Grundgebühr, sondern eine Marge pro Verkauf. Laut mehreren Vergleichsportalen liegt sie bei 7,9 % zuzüglich 1 € pro Transaktion, bei höheren Preisen sinkt der Prozentsatz. Genaue und aktuelle Konditionen nennt der Anbieter selbst.
Warum Anbieter nach Alternativen suchen
- Kosten: Bei wachsendem Umsatz summiert sich die prozentuale Marge spürbar.
- Kundenbeziehung: Im Reseller-Modell gehört der Kunde zunächst Digistore24, Rechnung und Kaufvertrag laufen nicht über Sie.
- Abo- und Vertragsgeschäft: Wer wiederkehrende Leistungen, individuelle Verträge, Sonderpreise oder B2B-Kunden abrechnet, stößt an die Grenzen eines Checkout-Marktplatzes.
- Buchhaltung: Eigene Debitorenbuchhaltung, DATEV-Export und Rechnungsabgrenzung sind im Marktplatzmodell kaum Thema.
- Datenhoheit und Branding: Rechnungen, E-Mails und Kundenportal im eigenen Auftritt.
Die drei Modelle im Überblick
Bevor Sie Anbieter vergleichen, sollten Sie das Modell wählen, denn davon hängen Steuern, Haftung und Aufwand ab.
| Modell | Wer ist Verkäufer? | Umsatzsteuer und Rechnung | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Reseller / Merchant of Record | Die Plattform | Übernimmt die Plattform | Digistore24, CopeCart |
| Verkäufer-Plattform | Sie selbst | Sie, die Plattform liefert Werkzeuge (optional Reseller-Option) | ablefy (ehemals elopage) |
| Eigene Abrechnungssoftware | Sie selbst | Sie, automatisiert durch die Software | Fakturia |
Die Alternativen im Vergleich
CopeCart: der nächste Verwandte
CopeCart ist ein deutscher Anbieter mit Schwerpunkt auf dem DACH-Raum und ähnelt Digistore24 am stärksten: Marktplatz, Affiliate-Programm, Rechnungen und Umsatzsteuer übernimmt die Plattform. Laut Vergleichsportalen liegt die Gebühr bei rund 4,9 % plus 1 € pro Verkauf ohne Grundgebühr. Wer vor allem den Wechsel zu einer günstigeren Marktplatz-Lösung sucht, findet hier die naheliegendste Alternative.
ablefy (ehemals elopage): Verkäufer-Plattform mit Werkzeugkasten
ablefy mit Sitz in Berlin bündelt Checkout, Mitgliederbereich, Landingpages und E-Mail-Marketing in einer Plattform. Standardmäßig sind Sie dort selbst der Verkäufer; ein Reseller-Modell, bei dem die Plattform die Verkäuferrolle samt Umsatzsteuer übernimmt, lässt sich optional gegen einen Aufschlag nutzen. Die Preise bestehen aus einer Monatsgebühr und einer Transaktionsgebühr und wurden zuletzt umgestellt. Vergleichen Sie daher unbedingt die aktuelle Preisliste.
Affilicon und weitere Marktplätze
Auch Affilicon sitzt in Deutschland und ist besonders im deutschsprachigen Raum und im Ticketverkauf verbreitet. Für Einsteiger lohnt sich der Blick darauf nur, wenn die Konditionen zu Ihrem Produkt passen, denn Reichweite und Affiliate-Netzwerk sind kleiner als bei den großen Marktplätzen.
Fakturia: Abrechnung im eigenen Namen für Abo- und Vertragsgeschäft
Fakturia ist kein Marktplatz und kein Reseller. Sie verkaufen im eigenen Namen, haben die Kundenbeziehung und Rechnung selbst in der Hand und automatisieren dafür alles, was nach dem Abschluss kommt. Die Software wurde in Deutschland entwickelt, läuft ausschließlich auf Servern in Deutschland, und mit dem Betreiber wird ein AV-Vertrag geschlossen. Das passt, wenn Sie Abos, Mitgliedschaften, Lizenzen oder Dienstleistungsverträge abrechnen und Kunden bereits selbst gewinnen.
- Vollautomatischer Rechnungslauf: Fällige Rechnungen werden erstellt und als PDF per E-Mail versendet, auch als E-Rechnung in den Formaten ZUGFeRD und XRechnung.
- Zahlungen: wiederkehrende Zahlungen über Zahlungsanbieter wie Stripe, Adyen, Unzer oder PayPal, alternativ Lastschrift direkt über die Hausbank.
- Mahnwesen und Rücklastschriften: mehrstufiges Mahnwesen, automatische Erkennung von Rücklastschriften über finAPI samt Gebühr und Folgeaktion.
- Kundenportal und Kündigung: Self-Service-Portal für Rechnungen, Verträge und Upgrades, Kündigungsbutton per Link.
- Steuern international: Reverse-Charge-Rechnungen innerhalb der EU mit wöchentlicher Prüfung der USt-IdNr., Zielland-Besteuerung und Reports für OSS sowie die Zusammenfassende Meldung.
- Buchhaltung: DATEV-Anbindung inklusive Buchungssätzen und Rechnungsabgrenzung auf Monatsbasis.
- Vertriebspartner: Provisionsabrechnung mit Lifetime-Provisionen für Partner, die Ihre Kunden vermitteln.
- Tarife: Die FLEX-Serie kommt ohne Grundgebühr aus und rechnet rein umsatzbasiert ab, die Business-Serie arbeitet mit monatlicher Grundgebühr.
Wichtig zur Einordnung
Fakturia bringt keine eigenen Käufer mit und bietet keinen Marktplatz mit Affiliate-Netzwerk. Wer vor allem Reichweite über fremde Werbepartner braucht, ist bei Digistore24 oder CopeCart besser aufgehoben. Fakturia ersetzt sie dort, wo Sie Kunden selbst gewinnen und die Abrechnung professionell, steuerlich sauber und automatisiert im eigenen Namen führen wollen.
Vergleich auf einen Blick
| Digistore24 | CopeCart | ablefy | Fakturia | |
|---|---|---|---|---|
| Sitz | Hildesheim | Deutschland | Berlin | Sauerlach bei München |
| Verkäufer gegenüber Endkunde | Plattform (Reseller) | Plattform (Reseller) | Sie, optional Reseller | Sie |
| Umsatzsteuer | Plattform | Plattform | Sie, bei Reseller-Option Plattform | Sie, automatisiert |
| Kostenmodell | Marge pro Verkauf | Marge pro Verkauf | Monatsgebühr plus Transaktionsgebühr | Tarif nach Umsatz (FLEX) oder Grundgebühr (Business) |
| Affiliate-Netzwerk | Ja | Ja | Je nach Tarif | Provisionsabrechnung für eigene Vertriebspartner |
| Abos und Verträge | Zahlungspläne und Abos | Zahlungspläne und Abos | Abos | Kernfunktion inklusive Vertragsverwaltung |
| DATEV und Rechnungsabgrenzung | Nicht Schwerpunkt | Nicht Schwerpunkt | Nicht Schwerpunkt | Ja |
Die Angaben zu den Mitbewerbern beruhen auf öffentlichen Vergleichen und Anbieterseiten, Stand Oktober 2026. Konditionen ändern sich häufig, prüfen Sie sie vor einer Entscheidung direkt beim Anbieter.
Steuern und Pflichten: Was sich beim Wechsel ändert
Im Reseller-Modell nimmt Ihnen die Plattform viel Steuerarbeit ab. Verkaufen Sie im eigenen Namen, tragen Sie diese Verantwortung selbst:
- Rechnungen: Sie müssen die Pflichtangaben erfüllen und ab 2027 in vielen Fällen E-Rechnungen ausstellen, siehe E-Rechnungspflicht 2027.
- EU-Privatkunden: Beim Verkauf digitaler Leistungen gilt die Zielland-Besteuerung, die Meldung läuft über den OSS. Beachten Sie die geplanten Änderungen im Jahressteuergesetz 2026.
- EU-Unternehmen: Hier greift das Reverse-Charge-Verfahren, mehr dazu im Ratgeber Rechnung ins Ausland.
- Verbraucherrecht: Impressum, AGB für Online-Abos, Kündigungsbutton und der Widerrufsbutton liegen dann bei Ihnen.
- Zahlungsausfälle: Rücklastschriften und Mahnungen betreffen Sie direkt, siehe Dunning-Management.
Welche Lösung passt zu wem?
- Infoprodukte und Kurse mit Affiliate-Vertrieb: Digistore24 oder CopeCart, wegen Reichweite und Steuerabnahme. Vergleichen Sie vor allem die Gebühren.
- Eigene Community- oder Kursplattform mit Werkzeugkasten: ablefy, wenn Sie Checkout, Mitgliederbereich und Marketing aus einer Hand wollen.
- Abos, Software, Mitgliedschaften, Lizenzen oder B2B-Verträge im eigenen Namen: eine Abrechnungssoftware wie Fakturia, kombiniert mit Ihrem Shop oder Ihrer Website.
- Hybrid: Reichweite über einen Marktplatz aufbauen und wiederkehrende Bestandskunden und Direktverträge über eine eigene Abrechnung führen.
Checkliste für den Wechsel
- Aktuelle Gebühren und Vertragslaufzeiten Ihres bisherigen Anbieters prüfen, auch Auszahlungs- und Kündigungsfristen.
- Klären, ob und wie sich Bestandskunden und laufende Abos übertragen lassen. Das gilt auch datenschutzrechtlich.
- Steuerliche Behandlung mit der Steuerberatung abstimmen (Umsatzsteuer, OSS, Reverse Charge).
- Zahlungsanbieter wählen: Kreditkarte und PayPal über einen Anbieter, Lastschrift alternativ über die Hausbank.
- Rechnungsvorlagen, Rechnungsnummern und E-Rechnungsformate festlegen.
- Einen Testlauf durchführen, bevor Kunden umziehen.
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Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Konditionen der genannten Anbieter können sich ändern.